Neuer mutierter Kaninchen-Virus RHDV2

Seit zwei Jahren grassiert in Deutschland eine neue Version des RHD-Virus. Er befällt Kaninchen trotz RHD-Impfung. Auch wir waren davon betroffen. Deswegen möchten wir Kaninchenhalter informieren. Es gibt ein paar Vorsorgemaßnahmen. Das wichtigste wäre allerdings eine Impfung, die bisher in Deutschland nur unter schwierigsten Bedingungen möglich ist. Je mehr Kaninchenhalter nach dem Impfstoff fragen, bei Tierärzten, den Impfstoffherstellern oder anderen, desto eher wird es ihn hier in Deutschland auch geben.

Die Entstehung: Diese Seuche ist 2010 in Frankreich erstmalig aufgetreten und hat dort in vielen Ställen gehaust und nahezu alle Tiere egal ob geimpft oder nicht hingerafft. Seit 2011 ist sie in Deutschland mit selbigen Folgen. Erst NRW/Rheinland-Pfalz (http://lua.rlp.de/einzelansicht/archive/2014/march/article/neue-variante-des-erregers-der-kaninchenseuche-rhdbrin-rheinland-pfalz-festgestellt/). Mittlerweile grassiert sie in Brandenburg und Sachsen.

Vorbeugung: Äußerst schwierig. Es gibt einen klitzekleinen Lichtblick – Tiere die regelmäßig und lange Jahre intensiv geimpft worden,  scheinen derzeit resistenter als andere zu sein. Impflücken wirken sich negativ aus, junge Tiere fallen der Seuche öfter zum Opfer, weil sie eben noch nicht oft geimpft wurden. Wer Sorge hat, kann seine Tiere sofort mit Cunivak-RHD grundimmunsieren lassen. (Zwei Impfungen im Abstand von 4 Wochen), danach halbjährlich weiterimpfen. Es spielt dabei nahezu keine Rolle, wann die Tiere zuletzt geimpft wurden und ich würde es jedem dringend ans Herz legen. Lieber einmal zuviel geimpft. Laut IDT Biologica (die Cunivak herstellen) könnte man theoretisch alle 3 Wochen RHD impfen. Es hätte keine Auswirkung auf die Gesundheit der Tiere. Jede Impfung mit Abstand von 3 Wochen wirke als Boosterung, also Verstärkung des Impfschutzes. Es gibt dazu keine hinreichenden Tests aber es ist andererseits nichts bekannt, dass ein zu häufiges Impfen die Krankheit hervorgerufen oder die Tiere geschwächt hat. Wenn die Cunivak geimpften Tiere mit RHDV2 konfrontiert werden, zeigen sie manchmal Fieber, manchmal Apathie. Es handelt sich dabei aber um einen wesentlich schwächeren Verlauf und sie überleben es manchmal.

Übertragunswege: Der häufigste Übertragunsweg ist von Kaninchen zu Kaninchen bzw. über deren Ausscheidungen. Da es auch in Wildkaninchenbeständne vorkommt, ist Gras, bzw. Wiese von „draußen“ potentiell gefährdet, genauso wie Äste, Früchte und so weiter. Auch das Futter aus dem Supermarkt kann infiziert sein. Das Virus ist für Menschen ungefährlich und unauffällig und „fällt“ daher tatsächlich nicht auf. Das Virus kann auch über Mücken und andere Insekten übertragen werden. Das Virus ist in Hundekot nachgewiesen worden. Bei einem Befall bzw. wenn sich das VIrus in der Umgebung befindet, kann es auch durch den Menschen übertragen werden, z.B. an den Sohle nder Schuhe, an den Händen oder die Kleidung. Möglich wären auch geringste Virenspuren, die sich z.B. in den Haaren anheften. Auf Kehrschaufeln kann das Virus verbreitet werden, es kann auf Futternäpfen sein. Bei einem tödlichen Befall ist vor allem die Klokiste, Boxen, der Boxen und die Futterstelle bzw. die Heuraufe betroffen.

Behandlung: nach meiner Kenntnis nicht möglich. Es soll Tiere geben, die mit starken Symptomen und einer Fieberbehandlung überlebt haben. Ich möchte aber bezweifeln, dass der Mensch das Überleben gesichert hat. Es handelt sich da mutmaßlich um Tiere, die sowieso überlebt hätten.

Es gibt vier Sorten:
– Tiere, die überhaupt nicht befallen werden
– Tiere, die leichte, schwache Symptome zeigen und die Krankheit überleben
– Tiere, die einen schweren Verlauf zeigen und überleben
– Tiere die kaum Symptome zeigen und plötzlich sterben

Eigenschaften des Virus:
– Hochgradig ansteckend.
– RHDV2 tötet rund 80% der Kaninchen im Bestand (das muss nicht heißen, dass die 20% angesteckt waren, sie könnten einfach “drum herum“ gekommen sein)
– Das Virus überlebt bis zu 6 Monate, Frost und Hitze sind kein Problem
– Das Virus übersteht Temperaturen von 80 Grad offenbar bis zu zwei Tage
– Es ist mir bisher nicht klar, ob Kochwäsche (90°) sicher ist

Handlungsempfehlung für Kaninchenhalter:
– Jungtiere sollten frühstmöglich (nach Angaben des Impfstoffherstellers) gegen RHD geimpft werden.
– Bei Erstimpfung gegen RHD sollte eine Grundimmunisierung (zweimalige Impfung) im Abstand von 4 Wochen erfolgen.
– Anschließend werden halbjährliche Wiederholungsimpfungen empfohlen.

Diese Empfehlung kommt von der renommierten Kleintierärztin Ewringmann aus Berlin (weitere Infos hier: http://www.heimtierpraxis-berlin.de/kaninchen.php).
Außerdem habe ich mit dem zuständigen Seucheninstitut (Fritz-Löffler-Institut Insel Riems) gesprochen. Diese registrieren die Fälle und testen gerade. Einen neuen Impfstoff entwickeln sie nicht, dass machen die Hersteller.
Dieser Experte hat mir bestätigt, dass Kaninchen am besten halbjährlich gegen RHD geimpft werden. Bisher war der Turnus ja jährlich. Die These dahinter: je öfter ein Tier geimpft wird, umso mehr Antikörper bildet es. Umso mehr Antikörper es hat, umso resistenter ist es möglicherweise/hoffentlich gegen die neue RHDV2 Variante.

Mehr Details zum Impfen:
Jungtiere, die zuvor noch nicht geimpft wurden, sollten mit einem herkömmlichen Impfstoff (z.B. Cunivak®) gegen RHD und Myxomatose grundimmunisiert werden (2xige Impfung im Abstand von 4 Wochen). Anschließend sollte die Impfung (sowohl gegen RHD als auch gegen Myxomatose) alle 6 Monate aufgefrischt werden. Die gleiche Empfehlung gilt auch für ausgewachsene Kaninchen, die zuvor noch nicht oder nur unregelmäßig geimpft wurden.
– Bei Kaninchen, die bisher regelmäßig mit einem der herkömmlichen Impfstoffe (z.B. Cunivak®) halbjährlich gegen Myxomatose und jährlich gegen RHD geimpft wurden, sollte zukünftig auch de RHD-Impfung alle 6 Monate erfolgen. Wurde die halbjährliche Myxomatose Impfung erst kürzlich durchgeführt, so empfiehlt es sich die RHD-Impfung noch nachholen zu lassen.
– Ältere Kaninchen, die bereits mehrere Jahre lang regelmäßig geimpft wurden und derzeit unter dem Schutz des neuen Impfstoffes (Nobivac®) stehen, sollten einmalig mit einem herkömmlichen Impfstoff gegen RHD nachgeimpft werden und nach 6 Monaten sollte ggf die nächste Auffrischung (nur gegen RHD) erfolgen. Nach Ablauf der Schutzwirkung des neuen Impfstoffes, empfiehlt sich dann eine Umstellung auf einen der herkömmlichen Impfstoffe gegen RHD und Myxomatose, wobei der Impfschutz alle 6 Monate aufzufrischen ist.
– Junge Kaninchen, die erst ein- oder zweimalig mit dem neuen Impfstoff (Nobivac®) geimpft wurden, sollten zusätzlich eine Grundimmunisierung (2 x im Abstand von 4 Wochen) mit einem herkömmlichen RHD-Impfstoff und ggf. nach 6 Monaten eine Auffrischungsimpfung (nur gegen RHD) erhalten. Nach Ablauf der Schutzwirkung des neuen Impfstoffes, empfiehlt sich dann eine generelle Umstellung auf einen der herkömmlichen Impfstoffe gegen RHD und Myxomatose, wobei der Impfschutz alle 6 Monate aufzufrischen ist. Die gleiche Empfehlung gilt auch für ältere Tiere, die erst seit ein oder zwei Jahren unter dem Schutz des neuen Impfstoffes (Nobivac®) stehen und zuvor nicht oder nur unregelmäßig geimpft wurden.
Impfstoffe sollen unterschiedlich gut wirken
Nach meinen aktuellen Informationen, die sind kaum belegt und es ist nur ein Anhaltspunkt … aber nach meinen Information wirkt der „alte“ Impfstoff Cunivak besser. Es geht Berichte aus Foren, da sind alle Cunivak-Tiere gestorben, die Nobivak haben überlebt. Institute, die Tests machen haben mir aber überliefert:

Cunivak-Überleben nach gezielter Infektion mit RHDV2: 75%
Nobivak-Überleben nach gezielter Infektion mit RHDV2: 0%

Impfstoff aus Frankreich gegen RHDV2
Es gibt einen Impfstoff aus Frankreich. Er ist nur über das Veterinäramt / Landesämter zu beziehen.
Die Kosten für den Impfstoff liegen bei 140 Euro pro Flasche. Der Impfstoff wird aus Frankreich in einer Flasche mit 40 Impfdosen geliefert (eine ganze Charge, die komplett abgenommen werden muss). Der Inhalt der Flasche wird angerührt und muss dann innerhalb von 2 Stunden verbraucht werden.

Um den Impfstoff zu beantragen, muss der Tierarzt konsultiert werden. Dieser muss alle Anträge stellen. Die Beantragung kostet weitere 50 Euro. Wie viel der Tierarzt verlangt für die Bearbeitung (zahlreiche Telefonate, Formulare, etc.) liegt in dessen Ermessen. Außerdem kommen noch die Kosten für die Impfleistung (das eigentliche impfen) hinzu. Der Impfstoff darf nur für ein bzw. mehrere namentlich genannte Tiere verwendet werden. Er darf nur von einem bestimmten Tierarzt (keiner Vertretung) geimpft werden. Mit dem Impfen müssen auch für den Tierhalter viele Formulare ausgefüllt werden. Außerdem müssen Beobachtungen durchgeführt und protokolliert werden, falls es Nebenwirkungen geben sollte.
Maßnahmen bei/nach einem Befall
Tiere so gut es geht vereinzeln. Nur den nötigsten Kontakt mit den Tieren. Mit Einmalhandschuhen arbeiten – selbst eine Kehrschaufel von einem in das nächste Gehege kann das Virus übertragen. Die bei uns betroffenen Tiere zeigten Müdigkeit, Apathie und liegen viel. Innerhalb von Minuten bis Stunden sterben sie.

Aktuell sind die Verbreitungsgebiete hauptsächlich Sachsen und Brandenburg. Es fing mal in NRW / Rheinland-Pfalz an vor zwei Jahren. Eine aktuelle Seuchenkarte gibt’s hier. http://www.idt-tiergesundheit.de/tierarzt/kaninchen/krankheitsmonitoring/

Auch Privathalter betroffen
Als Notstation bekommen wir öfter Anfragen – innerhalb einer Woche 4 Stück bei denen die Besitzer schrieben „unser Kaninchen ist plötzlich gestorben“, auf meine Nachfrage sei alles ohne Anzeichen passiert … das Virus ist also bestimmt schon längst in Privathaushalten. Nur dort fällt es nicht auf, weil die Tiere eben nicht untersucht werden.

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