Blasenentzündung bei Kaninchen

Wochenlang schlechtes Fressen, den Fellwechsel hat er gar nicht geschafft, immer wieder Durchfall. Mit diesen Symptomen ist mir mein ältester und erster Hase aufgefallen. Ich hab eine Futterumstellung für die Ursache gehalten, es auf sein Alter geschoben (immerhin 6 Jahre), auf Spätfolgen einer schlechten Haltung (er lief von einem Züchter weg), doch der Arzt stellte viel mehr fest: eine wahnsinnig hohe Zahl an Bakterien in seinem Urin. Zitat meines Tierarztes (der durchaus nicht mehr der Jüngste ist): „So etwas habe ich noch nie gesehen.“ Also wurde mein Kleiner schnellstens auf Blasenentzündung hin behandelt.

Entzündungen, Veränderungen, Krankheiten an inneren Organen sind sehr schwer erkennbar und oft äußern sie sich an denselben Symptomen. Deswegen lässt sich anhand derer kaum sagen, woran das Tier leidet.

WICHTIG: Gehen Sie immer so schnell wie möglich zum Tierarzt. Eine leichte Appetitlosigkeit bedeutet nicht gleich Schlimmes. Kommen mehrere der unten genannten Symptome zusammen, liegt offenkundig eine Krankheit vor. Lassen Sie sich dabei nicht vom Gesamteindruck ihres Tieres täuschen: Kaninchen verstecken ihre Krankheiten von Natur aus so lange wie möglich. In ihrer Herde dürfen sie nicht auffallen, sonst würden sie verstoßen werden.  Deswegen sehen selbst schwerkranke Tiere manchmal noch fit aus. Problem dabei ist natürlich, dass sich die Krankheiten verschleppen, weil wir sie nicht fürh genug entdecken können.

Anzeichen einer Blasenentzündung
– schlechtes Fressverhalten: Lieblingsfutter schmeckt auf einmal nicht mehr, nur noch ganz bestimmtes Futter wird gefressen
– Kaninchen trinkt übermäßig viel oder gar nichts
– Durchfall, unbekanntes Futter wird schlechter als sonst vertragen
– nasse Afterregion, ggf. mit Kot verklebt
– Urin ist verfärbt, Blut im Urin (rötliche Färbung), oder auch sehr trüber Urin, der einen weißlich-gelben „Rest“ beim Trocknen hinterlässt
– Kaninchen uriniert seltener und unter Schmerzen, meistens hockt es dabei ziemlich lang, zittert gegebenenfalls und schließt die Augen (vor Schmerzen)
– schlechtes Laufverhalten (weil Schmerzen am bauch oder Afterregion)
– stumpfes Fell, Probleme beim Fellwechsel
– Kaninchen ist unruhig, fühlt sich unwohl
– schlechter Gesamteindruck

Ursachen für eine Blasenentzündung.
Oft lösen Bakterien eine Blasenentzündung aus. Wodurch die wiederum in die Blase gelangen und sich unkontrolliert vermehren, hängt vom Fall ab.
Bei meinem Kaninchen waren pro Kubikmillimeter 1 Million Bakterien im Urin – ein Befund, der selbst meinen erfahrenen Tierarzt schockte. Ich persönlich vermute ein Zusammenspiel von Streß, Trockenfutter und Vorbelastung. Außerdem stellte sich später ehraus, dass mein Kleiner an e.c. erkrankt ist. Auch andere Krankheiten können durch die Belastung der inneren Organe die Blase anstrengen, Infektionen können sich verlagern.
 
Mögliche Ursachen:
– ein kalter, nasser Standort oder ein kalter Boden, auf dem das Tier gerne liegt. Legen Sie unter PVC eine dämmende und isolierende Schicht. Achten Sie auch drauf, dass sich ihr Tier beim Freilauf nicht auf kalte Fliesen, Steine oder Stellen legt.
– Zugluft (Abhilfe: Abdecken, die Tiere sollten immer in einen zugluftsicheren Raum oder Stall können)
– ungeeignetes Futter wie Pellets und Getreide, aber auch getrocknete Kräuter. Sie enthalten oft viel Kalzium, dass ich in der Niere oder der Blase ablagert.
– kalziumreiches Futter (eine Blasenentzündung kann eine Vorstufe von Blasenschlamm, -gries und -steinen sein)
– verdorbenes Futter
– ein zu kleiner Käfig und / oder zu wenig Bewegung. Kaninchen urinieren eigentlich ungern in ihren Käfig. In freier Natur haben Sie Toilettenstellen außerhalb Ihres Baus. Im Käfig kann es passieren, dass die Tiere grundsätzlich so spät und wenig wie möglich urinieren. Diese Dauerbelastung (im Urin sind Schadstoffe des Körpers) kann die Blase schädigen oder vorbelasten. Bieten Sie also genügend Platz zum laufen an, außerdem verschiedene Klo- und Schlafecken.

Nötige Untersuchung
– allein vom Gesamteindruck und Abstasten kann der Tierarzt eine grobe Richtung in der Diagnose vorgeben
– Röntgen: schließt Nieren- und Blasensteine aus, ggf. ist auch Gries sichtbar. Bei einem derartigen Fund muss eventuell operiert werden oder es sind andere Schritte notwendig. Ein Blasenstein schließt eine -entzündung nicht aus. Eine Trübung des Urins bei Kaninchen ist nicht zwangsläufig krankhaft, sondern vermutlich genetisch bedingt oder vom Alter abhängig.
– Blutuntersuchung (hier kann ein hoher Entzündungswert festgestellt werden) bzw. Lässt sich auf andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen schließen (beispielsweise e.c.)
– Urinuntersuchung: Eine gründliche Untersuchung (die aber ein paar Tage dauern kann!) zeigt auf, ob und wie viele Bakterien im Urin sind. Danach lässt sich auch das geeignete Gegenmittel finden (oft Baytril, ein Antibiotikum) 

Urinprobe: eine Urinprobe aufzufangen, ist gar nicht so einfach. Am besten setzen Sie ihr Tier in eine Transportbox ohne Streu, warten eine Weile und saugen den Urin dann auf. Dann müssen sie aber auch direkt zum Tierarzt, denn der Urin muss zur Untersuchung frisch sein. Alternative: Sie warten beim Tierarzt aufs Pipi oder lassen das Kaninchen den Tag über in der Klinik. Hier können die Ärzte das Gesamtverhalten auch besser beurteilen, ggf. gleich eine Blutuntersuchung machen und notwendige Medikamente sofort geben.
Die Ärzte haben auch einen geschickten Griff, mit dem sie auf die Blase drücken, woraufhin die Kleinen ganz dringend Pipi machen. Bevor sie ihr Kaninchen „quälen“, bringen sie es zum Doc

Behandlung Der Tierarzt wird nach Feststellung des Erregers (in meinem Fall Escherichia Coli) ein Antibiotikum verschreiben. Das geben Sie in den meisten Fällen über einen gewissen Zeitraum, 5 bis 21 Tage ist durchaus üblich, über das Mäulchen ein.

Oral oder über Spritze?
Der Tierarzt bevorzugt generell, die Medizin über eine Spritze einzugeben. Hier kann garantiert werden, dass das Medikament im Körper landet, außerdem werden die Verdauungsorgane nicht belastet. Einige Kaninchen spucken Medizin auch wieder aus oder „versabbern“ sie. Ich spritze Medikamente mittlerweile auch, allerdings sind mir meine Tiere daraufhin sehr böse. Sie ahnen bereits, was kommt und sind sehr gestresst. Die Gabe übers Mäulchen kann mit einem Leckerli ersüßt werden. Probieren Sie aus, was bei Ihrem Vierbeiner besser ankommt. Jeden Tag zum Tierarzt düsen ist sicher nicht weniger stressfrei!

Oral: Damit so wenig wie möglich daneben läuft, setzen sie sich das Tier auf den Schoß. Nehmen Sie eine Einwegspritze und schieben sie die ein gutes Stück ins Maul (beobachten Sie ihren Tierarzt dabei, die sind da relativ schmerzfrei). Je dünner die Spritze, umso besser (für baytril, dass ja meistens mit 1ml pro Tag gegeben wird, reicht also eine schlanke 1ml Spritze). Behalten Sie das Tier nach der Gabe auf dem Schoß, streicheln sie das Mäulchen und den Hals. Dadurch wird das Tier zum Schlucken angeregt. Versabbert ihr Patient viel, dann geben Sie noch mehr vom Medikament (lieber zuwenig als zuviel!). Lassen Sie sich dazu vom Tierarzt grundsätzlich etwas mehr mit nach Hause geben.
Alternative: Setzen Sie sich auf den Boden,winkeln Sie die Beine an und legen Sie Ihr Kaninchen mit dem Rücken auf ihre Beine. Das ist unangenehm für das Tier, sie können aber besser hantieren. Das Kaninchen sollte mit den Hinterbeinen gegen ihren Bauch treten können, damit es sich abstützen kann. Machen sie die Prozedur so kurz wie möglich, geben Sie das Mittel ein. Durch die Schieflage können die Kaninchen weniger Flüssigkeit wieder ausspucken. Warten Sie, bis Ihr Tier geschluckt hat. Setzen Sie es dann umgehend zurück. Streicheln und beruhigen Sie Ihr Tier.

Spritze: Ich habe es als Laie auch gelernt. Der Tierarzt zeigt es Ihnen sicherlich, bitte probieren Sie es unter Anleitung aus. Wenn Sie es sich zutrauen, können Sie ihr Kaninchen auch selbst spritzen. Ansonsten bleibt Ihnen nur der tägliche Gang zum Doc.

Homöopathische Behandlung
(von: http://www.zwergkaninchen.net/gesundheit/krankheiten/blasenentzuendung/
Sabal serrulatum D6 und Cantharis D4, mehrmals täglich fünf Globuli, bei chronischer Blasenentzündung einmal täglich.

Außerdem:
– Achten sie darauf, dass sich ihr Kaninchen fleißig bewegt.
– Setzen sie es gegebenenfalls auf Streu / Pellets um Durchfall besser in den Griff zu bekommen
– füttern sie es bei Bedarf einzeln (ich stelle einen Käfig ins Gehege zu den anderen Kaninchen. So bleibt mein Kaninchen in der Herde, kann aber in Ruhe fressen. Kranke Tiere vermeiden Rangkämpfe, sind oft schwächer und brauchen meistens länger zum Fressen. Geben Sie ihrem Tier die Zeit.
– geben sie zusätzlich Päppelfutter (siehe unten)
 
Heilung
Meistens geht es den Tieren schon nach der ersten Medikamentengabe besser. Sie fressen wieder, laufen freudiger und scheinen auf dem guten Weg der Besserung. Geben Sie das Medikament trotzdem fleißig weiter. Verschlechtert sich der Zustand, sprechen Sie bitte mit Ihrem Tierarzt. Beobachten sie ihr Tier während der Behandlungszeit gut: achten Sie auf Durchfall, kontrollieren sie, dass ihr Tier ordentlich frisst. Beobachten sie das Laufverhalten und den Gesamtzustand.

Außerdem sollten Sie beobachten, ob ihr Tier eventuell andere Krankheiten „versteckt“. In meinem Fall kommt alles zusammen, e.c, die Blasenentzündung, der Kleine hat jetzt eine Kiefer-OP hinter sich, und der Jüngste ist er auch nicht mehr. Schauen Sie also, ob die Blasenentzündung tatsächlich Auslöser des schlechten Gesundheitszustandes war, oder nur eine Begleiterscheinung.

Päppelfutter
Critical Care: Ist das Standardfutter schlechthin, jeder Tierarzt hat es vorrätig. Es wird mit Wasser angerührt und ist etwa 24 Stunden im Kühlschrank haltbar. Mit ein wenig Glück frisst ihr Tier von alleine, ansonsten muss die Einwegspritze her.
HerbiCare Plus: wirkt ähnlich wie CC, hat aber eine feinere Konsistenz. Das Futter ist vor allem für zahnkranke Tiere gedacht, die kaum noch Kauen können. Hier reicht Schlucken vollkommen aus. HC hat außerdem eine andere Geschmacksrichtung und kann als Abwechslung zu CC gesetzt werden.
RodiCare: gibt es in Pellet-, Tropfen- und Pulverform. Ich hab es noch nicht probiet. Bei kranken Tieren würde ich alle drei Sorten auf Vorrat halten – einfach zur Geschmacksabwechslung.

Abhilfe bei Durchfall und Nässen:
Setzen Sie das Tier auf jeden Fall auf saugfähige Einstreu. Katzenstreu, Papier oder Stroh reicht hier nicht aus. Selbst Holzpellets finde ich unpassend. Sie saugen zu langsam. Ich setze meine betroffenen Tiere grunsätzlich auf Holzstreu. Bei akutem Durchfall, baden Sie ihr Tier bzw. Spülen Sie das Hinterteil. Gerne können Sie dazu Kamillentee verwenden, der lindert die oft entzündeten Hautstellen. Ziehen Sie loses, verklebtes Fell vorsichtig ab. Schneiden Sie ggf. Fell- oder Kotbatzen ab. Sollte das Kaninchen stnädig weiter nässen, versuchen Sie es mit Babypuder. Wenn es einfach nicht besser wird, sprechen Sie mit dem Tierarzt und lassen Sie ihr Kaninchen rund um die Afterregion rasieren. Das wirkt wahre Wunder!

Hilfreiche Links:
Infos über Blasenentzündung 
Infos zu weiteren Blasenerkrankungen gibt es hier: